Deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt
Wassertechnologieanbieter im Internationalen Vergleich
Die
Wassermärkte globalisieren sich; ein Trend zu mehr Wettbewerb ist
sowohl auf den kommunalen und als auch auf den nationalen Märkten
feststellbar. Deutsche Unternehmen stehen daher in der Konkurrenz
mit ausländischen Unternehmen – in Deutschland selbst und weltweit.
Während französische, britische und US-amerikanische Unternehmen im
Wassersektor als "Spitzenreiter" gelten, hängt deutschen Unternehmen
der Ruf der "Nachzügler" an – insgesamt nach den Untersuchungen in
"Wasser2050" zu Unrecht.
Dies zeigt der vom Fraunhofer ISI durchgeführte internationale
Vergleich der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter
im Wassersektor: Betrachtet wurden für den Ländervergleich die
Patentanmeldungen für wasserrelevante Erfindungen und das
Exportvolumen. Während die Analyse der Patentierungsaktivitäten
Hinweise auf die mögliche zukünftige Wettbewerbsposition eines
Landes gibt, spiegelt der Außenhandel die tatsächliche, aktuelle
Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab wider. Gute
Wettbewerbssituation Die aktuelle Wettbewerbssituation Deutschlands
auf den internationalen Märkten stellt sich der Analyse zufolge in
allen untersuchten Technologiebereichen gut bis sehr gut dar. Das
zeigt sich sowohl für den Anteil der Industrie im Wassersektor am
Welthandel als auch für den Spezialisierungsindikator RCA. Wenn
Deutschland trotzdem auch hier sehr gut abschneidet, dann ist dies
umso mehr als Ausweis der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu
werten. Als wichtigste Konkurrenten konnten über alle
Technikbereiche hinweg die USA und Italien identifiziert werden.
Darüber hinaus wies Großbritannien starke Positionen bei der
Wasseraufarbeitung und bei der Mess- und Regeltechnik auf, Japan bei
der Wasserverteilung/Kanalisation und dem dezentralem
Wassermanagement, Korea bei Technologien zur Erhöhung der
Wassernutzungseffizienz und die Schweiz bei der
Mess-Steuer-Regeltechnik. Trotz eines guten Rufes als erfolgreicher
Akquisiteur großer Wasser- und Abwasserprojekte in Schwellen- und
Entwicklungsländern tritt Frankreich in keinem einzigen
Technikbereich besonders in Erscheinung. Diese Diskrepanz mag darin
begründet sein, dass Frankreichs Beitrag eher operativer und
koordinativer als technischer Natur ist. Patente: Anzeiger der
technischen Leistungsfähigkeit Hinsichtlich der technischen
Leistungspotenziale schneidet die deutsche Industrie allerdings
nicht so gut ab. Wassernutzungseffizienz sowie Wasserverteilung/-ableitung
liegen auch bei den Patentanmeldungen weit vorne, so dass hier von
einer guten bis sehr guten technischen Leistungsfähigkeit der
Unternehmen auszugehen ist. Die Zahl der Patente in den Bereichen
Abwasserreinigung und dezentrales Wassermanagement ist hingegen nur
durchschnittlich und bei der Wasseraufbereitung und bei der Mess-
und Regeltechnik gerät die deutsche Industrie im internationalen
Vergleich sogar leicht ins Hintertreffen. Als wichtige Konkurrenten
treten hier wieder die USA, Japan und Italien in Erscheinung;
außerdem in einzelnen Bereichen Südkorea, Großbritannien, Frankreich
und die Niederlande. Besonders bemerkenswert ist die Position
Kanadas, das mit seinen Patentanmeldungen in nicht weniger als fünf
der sechs betrachteten Technikbereiche hervortritt. Offensichtlich
stellt die Wasserwirtschaft in diesem Land einen Schwerpunkt der
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dar. Nach der Einschätzung
des ISI dürfte es "nur eine Frage der Zeit sein, bis sich diese
Anstrengungen auch in entsprechend großen Außenhandelserfolgen
niederschlagen." Die Innovationsdynamik im internationalen Vergleich
Die Innovationsdynamik (d.h. der relative Anstieg der
Patentanmeldungen) in den untersuchten Technikbereichen ist ähnlich
heterogen wie die technische Leistungsfähigkeit (gemessen als RPA).
Ein gutes Abschneiden bei der Innovationsdynamik geht aber nur
teilweise mit einer guten technischen Leistungsfähigkeit einher. Das
gilt für den Fall der Wassernutzungseffizienz. Dagegen schneidet das
dezentrale Wassermanagement für beide Aspekte mäßig ab und der
Bereich der Wasseraufbereitung sogar schlecht. Alles in Allem ergibt
sich für die betrachteten Technikbereiche folgendes Bild: Sowohl
Wassernutzungseffizienz als wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit
als auch Wasserverteilung/Kanalisation, die eher für die
traditionelle, zumindest ökonomisch wenig nachhaltige
Siedlungswasserwirtschaft stehen, sind Technikbereiche mit einem
bedeutenden Potenzial für die deutsche Industrie. Konkurrenten
existieren zwar; es kann aber gelingen, diese "in Schach" zu halten.
In den Bereichen Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung ist für
die Unternehmen in Deutschland eine sehr geringe Innovationsdynamik
feststellbar. Aufgrund der nur durchschnittlichen bis schlechten
technischen Leistungsfähigkeit (gemessen als RPA) wird die
Zukunftsperspektive deutscher Unternehmen insgesamt in diesen
Bereichen als recht mäßig beurteilt.
Christian Sartorius: "Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit
technologieanbietender Länder". Karlsruhe: ISI 2008 (pdf-download)
Stand
19.03.2009 |